Das weltweit größte Lotteriespiel

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Mit gut zwei Milliarden Euro Gewinnsumme ist die Weihnachtsziehung das weltweit größte Lotteriespiel. Weil zumeist Hunderte derselben Nummern in einer bestimmten Gegend verkauft werden, sind dann mit einem Schlag ganze Dörfer steinreich. Das ist die Gelegenheit, Häuser und Appartements, Autos mit den großen Namen und Versicherungspolicen dutzendfach zu verticken.

85 000 verschiedene Nummern hat die staatliche Lotterie- und Wettgesellschaft Loterías y Apuestas del Estado (LAE) drucken lassen. Mehr als je zuvor. Die Gewinnsummen wurden erhöht. Jede Nummer gibt es in 170 Serien zu je zehn sogenannten Décimos - Zehntelanteile zum Verkaufspreis von je 20 Euro, die erstmals bis zu 300 000 Euro bringen können.

Lose im Wert von 2,89 Milliarden Euro sind in diesem Jahr in Umlauf. 70 Prozent der Summe werden ausgespielt. 30 Prozent, das sind 867 Millionen Euro, will der Staat am beliebtesten Glücksspiel der Spanier verdienen.

Das macht er schon seit längerem. Die Weihnachtslotterie - älteste und größte Lotterie der Welt - wurde 1763 von König Carlos III. ins Leben gerufen, um die leeren Staatskassen zu füllen. Seit 1812 findet die Auslosung in der immer gleichen Form am 22. Dezember statt: Zwei Kinder der Madrider Waisenschule San Ildefonso ziehen die Kugeln mit den Glückzahlen und der Gewinnsumme aus zwei Trommeln und tragen anschließend die Nummern in einem monotonen Singsang vor.

Und wie auch in den vergangenen Jahren muß Wirtschafts- und Finanzminister Pedro Solbes nicht fürchten, daß ihn die Spanier bei seinen Haushaltsberechnungen im Stich lassen. 2004 gaben sie allein 2,38 Milliarden Euro für die Weihnachtslotterie aus. Jedes Jahr meldet die Lotteriegesellschaft neue Umsatzrekorde. "Niemand will allein dastehen, wenn die anderen gewinnen", sagt César Palazuelos, Sprecher der Lotteriegesellschaft. "Das übt natürlich Druck aus."

Einer Studie der University of Pennsylvania zufolge ist Spanien das einzige Land der Industriestaatengemeinschaft OECD, das mehr Geld für die staatliche Lotterie ausgibt als für Bildung und Forschung. 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts investieren die Spanier in das öffentlich organisierte Glücksspiel. Für Forschung und Bildung ist es lediglich ein Prozent. Das wird dem Land nach Expertenmeinung bald gewaltige Probleme bereiten. Aber bisher verhallen solche Warnungen weitgehend ungehört im Spielrausch.

Kein Tag vergeht, an dem in Spanien nicht irgendeine Ziehung stattfindet. Mit der Weihnachtslotterie, den Donnerstags- und Samstagsziehungen der Lotería Nacional, dem Bonoloto mit kleinem Einsatz, der Primitiva 6 aus 49, dem Fußball-Lotto La Quiniela oder dem zusammen mit Frankreich und Großbritannien organisierten Spiel Euromillones setzte allein LAE 2004 gut neun Milliarden Euro um. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach das einer Steigerung um 8,8 Prozent. Bis zum vergangenen Sonntag waren es für 2005 knapp 6,5 Milliarden Euro. Dabei waren die Erlöse aus dem Verkauf der Lose für die Weihnachtslotterie nicht einberechnet.


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