Ein großartiger Film von dem Regisseur Alfred Hitchcock machte eine genaue Unterscheidung zwischen einem Nervenkitzel und Spannung in Bezug auf Unterhaltung.
Hier entsprechend seine Definition für eine “Spannung”: Auf der Leinwand sieht man einen Mann, der auf einem Podium steht und eintönig seinem Verwaltungsrat über dies und das erzählt, wieviel Gewinn gemacht wurde, was man in der Zukunft erwarten kann, als das Podium plötzlich in tausende Stücke explodiert – genauso wie der Mann. Und alle im Zimmer sind entweder tot oder versehrt. Das Publikum springt auf und Popkorn fliegt herum, genauso wie die Getränke. Das war ein Nervenkitzel. Die Herzen schlagen schnell – keiner hatte diese Bombe erwartet. Wow!
Aber Hitch (so nennen ihn die Fans) war kein Vertreter von billiger Spannung. Oh nein! Er war der Meister von etwas, weitaus pikanter war. Nervenkitzel ist Lichtjahre weit weg von einer Spannung. Alles in allem ist es eine andere Erfahrung, und so geht sie:
Dieselbe Szene wird auf der Leinwand gezeigt. Aber dieses Mal ist niemand im Konferenzzimmer. Ein Moment geht vorbei, und eine mysteriöse, schwarz gekleidete Person tritt ein und geht zum Podium. Dort legt sie eine Bombe hin. Dann wird der Auslöser der Bombe auf zehn Minuten gestellt. Dann verlässt die Person den Raum. Kurz danach kommt der Verwaltungsrat und der Sprecher in das Zimmer. Der Sprecher geht zum Podium und beginnt mit seiner eintönigen Rede. Das Publikum weiß jedoch, dass eine Bombe unter dem Podium liegt und die Kamera blendet den Timer ein (fünf Minuten, vier Minuten, eine Minute). Die Ansprache des Sprechers wird unerträglich. Der Sprecher fragt dann: “Ich frage mich, was hier tickt. Hmmm, wahrscheinlich habe ich mir das nur eingebildet” - und fährt dann mit seiner Rede fort. Beim gesamten Publikum krampft sich der Magen zusammen. Warum hört der Sprecher nicht auf? Begreift er nicht, dass da eine Bombe keine zehn Zentimeter von seinem Körper entfernt liegt?
Plötzlich sagt der Sprecher: “Ok, das wars” - Die anderen stehen langsam auf (noch 30 Sekunden) – sie könnten doch einfach schnell den Raum verlassen. Aber dann: “Warten Sie noch kurz” sagt der Sprecher, “nur noch eine Kleinigkeit. Wir haben neues Klopapier bestellt. Es ist wirklich weich und sauber und ...” Kabuuuuuumm!!!!
Offensichtlich ist “Spannung” eine viel interessantere und reizvollere Erfahrung und wenn sie mit einem “Nervenkitzel” aufhört – um so besser.
Von der Perspektive von Hitchcock kann man auch Glücksspiele in Spiele, die von “Spannung” und “Nervenkitzel” dominiert werden, unterteilen.
Sichere Spannung macht einen Teil der Nervenkitzel-Spielen aus, da alle Spieler voller Hoffnung sind, zu gewinnen. Das ist Spannung. Aber Spannung mit einem kleinen “s”. Solange sich das Rad vom Roulette dreht, warten wir nur auf das Ergebnis. Wir können nichts tun. Es ist eine geradlinige Abfolge: Die Kugel rollt, fällt und das Ergebnis steht fest. Sie haben keine Kontrolle. Sie können nicht einfach so aus dem Raum laufen. Die Entscheidungen beim Roulette, auf was Sie setzen wollen, sind hauptsächlich spannend. Nächster Dreh!
Craps wird durch dasselbe Untermauert, obwohl es ein spannenderes Spiel als Roulette ist, weil der Spieler selbst die Würfel wirft. Das gibt einem das Gefühl, eine gewisse Kontrolle zu haben – echte oder eingebildete. Aber nach wie vor gilt: sobald die Würfel geworfen wurden, steht das Ergebnis fest. Würfel werden geworfen, der Spieler wartet, Ergebnis steht fest. Nächster Wurf!
Bei den Spielautomaten läuft es genauso ab. Sie werfen Ihre Münze ein, lassen die Rollen drehen und erfahren, ob Sie Glück oder Pech hatten. Nächster Dreh!
Blackjack auf der anderen Seite ist ein Spiel mit langgezogener Spannung. Bei jedem Schritt sind wir in der Erwartungshaltung. Stellen Sie sich ein typisches Blackjack-Szenario vor:
Der Dealer hat die Karten gerade fertig gemischt und legt sie auf den Tisch. Jetzt legt er eine Karte weg. Sie fragen sich: welche Karte war das? Jetzt gibt er die Karten aus.
Der erste Spieler bekommt seine Karten, dann der zweite und dann Sie (insgesamt spielen Sie zu viert). Ihre erste Karte ist eine sechs. Jetzt hoffen Sie auf eine fünf, um mit der sechs zu schlagen. Der erste Spieler bekommt eine Karte, eine drei (die Spannung baut sich auf), der zweite Spieler bekommt eine zehn (der Magen krampft) und jetzt bekommen Sie - jawohl!! - eine fünf (Spannung). Sie haben elf Punkte und der Dealer deckt auf (Spannung) - eine zehn! Uff. Sie können jetzt unmöglich kehrt machen. Der Dealer hat elf und Sie zehn. Sie setzen eine weitere Wette, die so hoch ist wie ihre erste. Jetzt hat der erste Spieler eine 14 (Spannung) und er zieht eine vier. Gut. Keine zehn. Sie wollen diese zehn. Jetzt hat der zweite Spieler eine 17 (Spannung). Der Dealer greift zum Kartenstapel und zieht Ihre Karte heraus (qualvolle Spannung). Oh je, das Schlimmste, das Allerschlimmste ist eingetreten – ein As. Das Herz rutscht Ihnen in die Hose. Der dritte Spieler hat jetzt 19. Jetzt dreht der Dealer seine Karten um. Sie erwarten eine sieben oder mehr. Aber moment mal! Der Dealer hat nur eine sechs, und insgesamt somit eine 16! Ihr Herz klopft bis in die Kehle. Sie haben immer noch die Chance zu gewinnen. Der Dealer ist in der schlecht möglichsten Position – eine 16. (Spannung). Der Dealer zieht eine weitere Karte (ihr Herz klopft) und er zieht eine sieben. Das ist ein “Bust” - er hat die 21 übertroffen. Sie gewinnen! Hurra! Spannung!
An diesem kleinen Beispiel können Sie lernen, dass beim Blackjack Schritt für Schritt die Spannung aufgebaut wird, wobei es bei den anderen genannten Spielen nur zwei Grundschritte gibt: Abschluss (launch) und Entscheidung.
Die Spannung wird beim Blackjack vom Nervenkitzel überschattet; wobei bei den anderen Spielen genau andersherum ist. In seinen Parametern läuft Blackjack nach dem Schema von Hitchcock ab. Und darum wurde Blackjack immer dominierender und erfolgreicher bei den Tischspielen in der Welt der Kasinos.
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